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Der Quds-Tag in Frankfurt und das Ehlibeyt Netzwerk innerhalb der IGS

von Emil Mink

Das iranische Regime hat noch im Gründungsjahr der Islamischen Republik den sogenannten Quds-Tag zur „Befreiung“ Jerusalems (al Quds bedeutet übersetzt „Die Heilige“ und ist der arabische Name der Stadt) und zur Vernichtung Israels ausgerufen. Seit 1979 wird dieser jährlich zum letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan öffentlich zelebriert, nicht nur im Iran und dessen Satrapien im Nahen Osten, sondern weltweit und damit auch in der Bundesrepublik. In Deutschland finden Aufmärsche zum Quds-Tag seit den 1980er Jahren statt1 . Ab 1996 mobilisierten Anhänger der Islamischen Republik jährlich zu einer zentralen Veranstaltung im wiedervereinigten Berlin. Seit 2015 hat sich mit Frankfurt am Main neben dem zentralen Aufmarsch in Berlin ein weiterer fester Veranstaltungsort etabliert, der in der bundesweiten Betrachtung jedoch eher im Hintergrund stand. Der vorliegende Text setzt sich mit dem Frankfurter Ableger und dessen besonderer Organisationsstruktur auseinander. Hierzu wird kurz der allgemeine Hintergrund des Quds-Tags erläutert, um darauf aufbauend die Entwicklung des Frankfurter Ablegers von 2015 bis 2023 zu beschreiben. Danach wird das Netzwerk der Organisatoren beleuchtet, wozu sowohl eine politisch-religiöse Einordnung als auch einige biographische Hintergrundinformationen zum Imam der Anmeldegemeinde von Nöten sind. Anschließend wird das deutsche Netzwerk hinter dem Frankfurter Quds-Tag und dessen Verbindungen in die Niederlande analysiert. Daraufhin werden die Berührungspunkte des Netzwerks zu weiteren schiitischen Organisationen in der Region betrachtet, um in einem letzten Schritt einen Ausblick zu formulieren.

1. Zum Hintergrund des Quds-Tags

Im Jahr 1979 resultierte das Aufbegehren gegen die autoritäre Herrscherdynastie der Pahlavis im Iran in eine Revolution gegen die Monarchie, an deren Ende ein neuer Staat unter Führung islamistischer Geistlicher entstand. Die nachfolgende sogenannte Islamische Republik Iran richtete sich nicht nur gegen die Herrschaftsform des Königs, sondern auch gegen dessen pro-westliche Politik und Modernisierungsbestrebungen. Die Ideologie der „islamischen Bewegung“ und ihres Revolutionsführers Ruhollah Khomeini ist antiwestlich, gibt sich antiimperialistisch und stellt eine negative Reaktion auf die über den Weltmarkt vermittelte Moderne dar, die die Idee des Individuums an die Stelle des Kollektivs und die Gesellschaft an die der Gemeinschaft setzt. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Marz kennzeichnet die Islamische Revolution daher als „modernen Antimodernismus“ und führt in ihrem gleichnamigen Beitrag aus, wieso Antimodernismus mit Judenfeindschaft zwangsläufig einher geht. Der Fokus dieses Textes liegt jedoch auf dem Netzwerk hinter dem Frankfurter Quds-Tag und nicht auf den gesellschaftspolitischen Bedingungen für das Erstarken islamistischer Ideologie. Letzteres kann an anderer Stelle nachgelesen werden.2 Bereits wenige Wochen nach der Gründung der Islamischen Republik proklamierte Khomeini den Jerusalem Tag und resümiert die ersten antiisraelischen Massendemonstrationen im Iran mit den Worten: „Der Al-Quds-Tag ist ein islamischer Tag und ein Tag der Mobilisierung der Muslime. Ich hoffe, dass dieser Tag die Basis zur Gründung einer Partei alle Unterdrückten der Welt sein wird. [...] Sie können dann alle Probleme, die ihnen im Wege stehen, beseitigen und gegen die Arroganz aufstehen. Sie werden die Fahne des Islams hochhalten und die Herrschaft der Armen in der Welt errichten. Bisher waren die Muslime gespalten. Heute haben wir ein Modell für die islamische Einheit. Dieses muss auf einer breiten Basis, in allen Bevölkerungsschichten, heute und in Zukunft realisiert werden. Die Partei der Armen heißt ,Hezbollah' [Partei Gottes]. Diese Partei befürwortet die Herrschaft Gottes. […] Imam Ali ist unser Vorbild. Er zog sein Schwert gegen die Verschwörer. Es ist überliefert, dass er siebenhundert Juden an einem Tag tötete. […] Auch der Imam der Muslime war rachsüchtig. Wenn es Zeit fürs Erbarmen ist, gibt es Erbarmen. Wenn es aber die Zeit der Rache ist, dann gibt es Rache.“3

An diesem Zitat werden bereits verschiedene Motive der islamistischen Ideologie des Mullah Regimes deutlich. Nicht nur wird ein antisemitisches Heilsversprechen beschworen, das die Juden mit allem Übel in der Welt assoziiert und wonach mit der von den Juden gesäuberten Welt jegliche Unterdrückung verschwinden würde. Ein Heilsdenken, das den Revolutionsführer überlebt hat und zu den heutigen ideologischen Grundpfeilern der Islamischen Republik gehört. Es wird gleichzeitig zur Vereinigung der islamischen Glaubensgemeinschaft und zur Überwindung konfessioneller Spaltungen in Form einer pan-islamistischen Weltbewegung aufgerufen, die jedoch letztlich als iranisches Exportprodukt unter dem Banner von Khomeinis Ideologie stehen soll. Der sogenannte Revolutionsexport, der die Unterstützung sowohl schiitischer als auch sunnitischer Milizen mit einschließt, ist in der iranischen Verfassung verbrieft4 und stellt eine weitere wichtige Säule des islamischen Staates Iran dar. Verschiedene islamistische Organisationen übernahmen in den 1980er Jahren aus diesem Grund den Namen „Hisbollah“.

Die bekannteste und bedeutendste dieser Organisationen ist die schiitisch-libanesische Miliz gleichen Namens, die bis heute eng mit der Islamischen Republik verknüpft ist.5 Für den Revolutionsexport sind politisch-religiöse Netzwerke essentiell, die gemäß dem antisemitischen Vernichtungswunsch auf lokaler und regionaler Ebene die jährlichen Quds-Tage veranstalten. In den 80er Jahren fanden bereits Aufmärsche in Nachbarländern des Nahen Ostens und ab spätestens 1984 im westdeutschen Köln statt. Seit den 90er Jahren sind Quds-Tag Demonstrationen in den USA, Kanada und europäischen Ländern dokumentiert. Mittlerweile finden pro-iranische Versammlungen zum Quds-Tag auch in Südostasien und Westafrika statt.6 In der Bundesrepublik stellt der seit 1996 jährlich stattfindende Aufmarsch in Berlin den größten und bekanntesten Ableger des iranischen Quds-Tages dar. Im Jahr 2011 hat sich ein „Antifaschistisches Berliner Bündnis gegen den Al Quds-Tag“ gebildet, das die Demonstrationen dokumentiert, ideologisch einordnet und Gegenprotest organisiert.7 Eine Erkenntnis war, dass sich Akteure verschiedener politischer Strömungen zur Querfront unter iranischer Flagge dem Aufmarsch angeschlossen haben.Neben Anhängern der libanesischen Hisbollah, der palästinensisch-sunnitischen Hamas und des iranischen Regimes, fand die Berliner Demonstration Zuspruch in der antizionistischen und autoritären Linken sowie vereinzelt bei deutschen Neonazis.9 Auch wegen des langatmigen Gegenprotests und der dadurch erzeugten Aufmerksamkeit wurde der Aufmarsch in Berlin im Jahr 2023 verboten beziehungsweise von den Veranstaltern abgesagt, um einem erstmals drohenden Verbot zuvor zu kommen. Demgegenüber blieb der Frankfurter Ableger des Quds-Tags – auch wegen seiner Größe und späterem Zeitpunkt der Konstitution – lange Jahre unbeachtet.

Doch unterscheidet sich Frankfurt von Berlin nicht nur in Größe und Entstehungszeitpunkt, sondern auch hinsichtlich der Teilnehmer und Akteure, die den jährlichen Aufmarsch in der hessischen Metropole organisieren. Im Folgenden soll ein Abriss der Frankfurter Demonstrationen seit 2015 skizziert werden, um auf den Beschreibungen aufbauend das Netzwerk hinter dem jährlichen Aufmarsch zu beleuchten.

 

2. Entwicklung des Frankfurter Quds-Tags von 2015 bis 2023

Seit 2015 hat der Frankfurter Ableger des Quds-Tags bis auf einen pandemiebedingten Ausfall im Jahr 2020 durchgehend stattgefunden. Auftaktort war meist der Übergang von der Kaiserstraße zum Bahnhofsvorplatz und die Demonstrationsstrecke verlief wahlweise zur Friedrich-Ebert- oder Taunusanlage, zur alten Oper oder zum Goetheplatz. Lediglich 2021 wurde aufgrund der Corona-Bestimmungen ein Autokorso mit circa 60 Fahrzeugen durch die Frankfurter Innenstadt durchgeführt.10

 

 

Organisiert wird der Aufmarsch jedes Jahr vom sogenannten Islamischen Zentrum Ehlibeyt e.V. aus Offenbach am Main und neben der Anmeldestruktur blieb auch die Teilnehmerzahl zwischen 2015 und 2022 ungefähr konstant im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich. Im Jahr 2023 folgten etwa 500 Personen dem Aufruf in die Mainmetropole.11 Wie in Berlin werden in Frankfurt die Fahnen besonders derjenigen muslimischen Länder geschwenkt, die die Islamische Republik Iran auch wegen eines hohen schiitischen Bevölkerungsanteils als ihre Einflusszone auserkoren hat. Zu sehen waren neben den Flaggen der Islamischen Republik und Palästinas etwa die des Irak, des Jemen, des Libanon, Syriens und Bahrains.

 

Zudem wurden Plakate mit den Konterfei von Revolutionsführer Ruholla Khomeini sowie dessen Nachfolger Ali Khamenei gezeigt, untertitelt mit den Phrasen „Lernt den Islam aus über die echten Quellen und zwar aus erster Hand kennen“ oder „Frieden für den nahen [sic] Osten“.

Weitere Plakate und Parolen versuchten sich – ähnlich wie in Berlin – in antiimperialistischer Friedensrhetorik. Gegen Apartheid, Besatzung und Waffenexporte wurde Position bezogen.

 

2016 wurde der Frankfurter Quds-Tag gar unter dem Motto „Nein zum Rassismus und Nein zum Zionismus“12 veranstaltet und in einer Rede vom diesjährigen Aufmarsch wurde sich auf die feministische Außenpolitik der Ampel-Regierung bezogen, die sich nicht um Frauenrechte in Gaza scheren würde. Damit dürften sicher nicht die misogynen Restriktionen der den Gaza-Streifen verwaltenden Hamas-Miliz gemeint sein. Dieses links anmutende Vokabular steht nicht im Widerspruch zur schiitisch-islamistischen Ausrichtung des Aufmarschs, denn auch Khomeini spricht wie oben gezeigt vom Quds-Tag als Tag der Armen und Unterdrückten, die sich zur Partei Allahs vereinigen sollen. Der positive Bezug zum iranischen Regime, zur Islamischen Revolution und deren Anhängern wird daher offen zur Schau gestellt.

Neben den wiederkehrenden Bildern von Khomeini und Khamenei finden sich die Konterfei von schiitischen Religionsoberhäuptern, die der Islamischen Republik Iran gegenüber loyal eingestellt sind. Darunter der nigerianische Prediger Ibrahim Zakzaky13 und der bahrainische Geistliche Isa Qassim14 .

Nach der Tötung des Kommandeurs der iranischen Quds Brigaden15 , Qasem Soleimani16 , wurde auch dieser als Märtyrer auf dem Weg zur „Befreiung“ Jerusalems auf den Demonstrationen in Frankfurt gewürdigt.

 

Auf der Demonstration 2016 wurde laut einer Auswertung der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus auch ein Bild des Gründers und geistigen Führers der Hamas, Scheich Ahmad Yassin, gezeigt17.

Bis zum kompletten Betätigungsverbot der libanesischen Hisbollah im Jahr 202018 wurde in Frankfurt zudem das Konterfei des Führers der libanesischen Terrororganisation, Hassan Nasrallah19 , sowie deren Symbole gezeigt.20 2015 skandierten die Teilnehmer des Aufmarsches noch „Mit der Hisbollah Schulter an Schulter“.21 Das änderte sich ab 2020, jedoch mutmaßlich weniger aus politischer Abgrenzung, als aus strategischer Vermeidung von Repression. Zeitgleich zum Verbot scheinen Reden Nasrallahs aus denjenigen Videoplattformen verschwunden zu sein, die den Quds-Tag in Frankfurt normalerweise medial begleiten.22 In sozialen Netzwerken können auf dem Profil des Netzwerks jedoch nach wie vor Bilder mit positivem Bezug zur Hisbollah und Nasrallah gefunden werden.

Welche zentrale Bedeutung der Quds-Tag in Frankfurt einnimmt, zeigt sich an der Berichterstattung des iranischen Staatssenders parstoday, der die Demonstration in Frankfurt mindestens einmal medial aufbereitet hat.23 Anders als auf dem bekannten Berliner Aufmarsch – wo radikale Islamisten verschiedener Couleur mit Neonazis und linksautoritären Antiimperialisten gemeinsam auf die Straße gehen – ist die Stimmung in Frankfurt geprägt von familiären Strukturen, die mit Kind und Kegel in geschlechtergetrennten Blöcken demonstrieren und demselben politischen Milieu zu entspringen scheinen. Jedes Jahr treten dieselben Personen als Redner, Koran-Rezitatoren und Organisatoren in Erscheinung. Dazu später mehr. Dieses Milieu ist mehrheitlich türkischsprachig und zumindest in Teilen kurdischer Herkunft. Plakate und Reden – früher auch wesentlich öfter Parolen – werden fast ausschließlich in türkischer und deutscher Sprache formuliert. Persisch oder Arabisch hört man wenn überhaupt nur in der islamistischen Begleitmusik aus dem Lautsprecherwagen.

Eine wichtige Rolle für die Zusammensetzung dieses Milieus spielt die Organisationsstruktur um die anmeldende Moscheegemeinde, das Offenbacher Islamische Zentrum Ehlibeyt e.V., mitsamt ihrem, mittlerweile verstorbenen, Imam Muhammed Avci sowie weiteren „Ehlibeyt“-Gemeinden. Im Folgenden wird zuerst der politisch-religiöse Hintergrund der Ehlibeyt Gemeinden erläutert, um darauf aufbauend das Netzwerk um die Offenbacher Gemeinde zu beleuchten.

3.0 Das Netzwerk Ehlibeyt innerhalb der Islamischen Gemeinschaft der Schiiten in Deutschland (IGS)

3.1 Zum theologischen Hintergrund von Ehlibeyt Islam und Schiitentum

Im Jahr 2019 erschien in der Zeitschrift für Religionswissenschaft (ZfR) ein Text mit dem Titel Schiiten, Aleviten und Ehlibeyt-Islam: Grenzziehung und Artikulation im Kontext schiitisch-alevitischer Gegenwartskulturen in Deutschland und der Türkei, der sich, leider in sehr unkritischer Form, mit der Überschneidung schiitisch ausgelegten Alevitentums und Schia-Islam beschäftigt und in Deutschland geführte Interviews auswertet.24 Der Autor Benjamin Weineck erläutert den im Türkischen genutzten Begriff Ehlibeyt (arabisch: Ahlulbayt) als gemeinsamen Bezugspunkt für ein islamisch interpretiertes Alevitentum sowie für ein turksprachiges Schiitentum mit Bezugspunkt zu Aserbaidschan beziehungsweise zur schiitischen Minderheit in der Türkei25, die zumeist aserbaidschanische Wurzeln aufweist und maßgeblich in den nordöstlichen Grenzregionen der Türkei, Iğdır und Kars, beheimatet ist.26 Der Begriff Ehlibeyt bedeutet in der Übersetzung „Angehörige des Hauses“ und meint die Familie des islamischen Religionsstifters Mohammed, zu der in schiitischer Auffassung dessen Tochter Fatima und ihr Ehemann Ali ibn Abi Talib, Imam der späteren Schiiten, sowie deren zwei Söhne gehören. Mit dem Tod Mohammeds entsteht Streit um dessen Nachfolge und sowohl Ali, als auch einer von Mohammeds Schwiegervätern, Abu Bakr, erhoben Anspruch auf den Titel des Kalifen. In diesem Nachfolgestreit liegt die heutige konfessionelle Spaltung zwischen Schiiten (Ali als rechtmäßiger Nachfolger) und Sunniten (Abu Bakr als rechtmäßiger Nachfolger) begründet.27 Der Bezug auf die Ehlibeyt ist damit gleichbedeutend mit der Befürwortung Alis im historischen Nachfolgestreit des Islam und eint Schiiten und einen gewissen Teil der Aleviten (Alawi hat die etymologische Bedeutung „Anhänger Alis“), der das Alevitentum als dezidiert islamisch interpretiert.28

Die verschiedenen Strömungen des Ehlibeyt Islam teilen sich neben der Einigkeit in der islamischen Erbfolge die Anerkennung der zwölf Imame, von denen Ali der erste und Muhammad al-Mahdi der letzte sei, der jedoch bis zum jüngsten Gericht im Verborgenen leben soll. Auch auf das Martyrium von Alis Sohn Hussein in der Schlacht von Kerbela gegen die Umayyaden Dynastie wird sich gleichermaßen bezogen.29 Das Konzept der Ehlibeyt dient dazu, Gemeinsamkeiten der Glaubensausrichtungen begrifflich zu bündeln und konfessionelle Spaltung zu überwinden.30

 

Insgesamt sind in Deutschland von den 195 identifizierten schiitischen Organisationen circa 43 als türkischsprachig definiert worden, was zwischen einem Viertel und einem Fünftel der Gesamtorganisationen ausmacht, so Benjamin Weineck. 31 In Deutschland gibt es jedoch lediglich einen schiitischen Dachverband, die Islamische Gemeinschaft der Schiiten in Deutschland (IGS), der mit über 150 offiziellen Mitgliedsorganisationen verschiedenen nationalen Hintergrunds einen Großteil des organisierten Schiitentums bündelt.

Die IGS ist 2009 unter Federführung des iranischen Regimes gegründet worden und zielt auf die politisch-ideologische Einflussnahme auf die einzelnen schiitischen Verbände. Hauptorganisation innerhalb der IGS ist das Islamische Zentrum Hamburg (IZH)32, das vom Verfassungsschutz als „wichtigste Vertretung des Iran in Deutschland“33 bezeichnet wird und dessen ehemaliger Leiter, Reza Ramezani, beispielsweise als deutscher Stellvertreter des aktuellen Revolutionsführers Ali Khamenei im Iran fungierte.34 Die Akteure des IZH weisen deutliche personelle wie auch ideologische Verbindungen zur Islamischen Republik Iran auf und üben wiederum Einfluss auf den schiitischen Dachverband. Langjähriger Vorsitzender des IGS-Bundesverbands war beispielsweise der in Frankfurt tätige Mahmood Khalilzadeh, bei dem es sich laut einer Antwort der Bundesregierung um „einen iranischen Gelehrten [handelt], der dem politisch-religiösen Establishment der Islamischen Republik Iran zugerechnet wird.“35 Auf Khalilzadeh wird später zurück gekommen. Im iranisch dominierten Dachverband der IGS ist auch das Islamische Zentrum Ehlibeyt e.V. aus Offenbach organisiert. Insgesamt finden sich in der Mitgliederliste der IGS 17 Moscheegemeinden die den türkischen Begriff der Ehlibeyt im Namen tragen. Ramezani ist wiederum im Vorstand der University of Religions and Denominations in der iranischen Stadt Ghom, wo er engsten Kontakt mit den Oberbefehlshabern der Revolutionsgarden pflegt. Ghom und die dortigen religiösen Ausbildungsstätten sind zentral für die politisch-religiöse Biographie Muhammed Avcis, wie im folgenden Kapitel erläutert wird.

Dennoch scheint es selbst innerhalb der IGS mindestens zwei pro-iranische Ehlibeyt Netzwerke zu geben, die unabhängig voneinander eigene Veranstaltungen organisieren. Dazu später mehr am Beispiel der Frankfurter Hazrat Fatima Moschee. Das türkischsprachige Netzwerk der Ehlibeyt Gemeinden um die Offenbacher Moschee und ihren Imam Muhammed Avci organisiert den jährlichen Quds-Tag Aufmarsch in Frankfurt am Main. Avci kommt dabei besondere Bedeutung zu, weshalb seine Person nachfolgend näher beleuchtet wird.

3.2. Zur Person Muhammed Avci und dessen Bedeutung für das Ehlibeyt Netzwerk

Nach dem Tod Avcis im Jahr 2019 ist das Konterfei des Offenbacher Imams auf den Frankfurter Quds-Demonstrationen ähnlich präsent, wie das der iranischen Revolutionsführer Khomeini und Khamenei. Als die Ehlibeyt Gemeinde in Offenbach im Februar 2019 das vierzigjährige Bestehen der Islamischen Republik Iran zelebrierte, wurden Khomeini, Khamenei und Avci bildlich in eine Reihe gestellt. Diese Huldigungen sowie die nach Avcis Tod veröffentlichen Kondolenzschreiben von zentralen Akteuren der Islamischen Republik zeigen auf, welche Bedeutung der Offenbacher Imam im pro-iranischen Netzwerk der Ehlibeyt Gemeinden innerhalb der IGS eingenommen hat. Doch wer war Muhammed Avci?

 

Laut einer islamistischen Enzyklopädie in deutscher Sprache ist Avci ca. 1948 in Palu, einem Dorf nahe der türkischen Stadt Elazığ im mehrheitlich kurdischen Teil der Türkei geboren.36 Was die deutschsprachige Seite jedoch nicht benennt, Avcis Familie war nicht schiitischen Glaubens, sondern Teil der sunnitischen Strömung der Schafiiten.37 Im Jahr 2018 erschien eine Biographie über Avcis Leben in kleiner Auflage im Internationalen Zentrum für Übersetzung und Publikation der Al-Mustafa Universität in Ghom38. Geschrieben wurde das etwa achtzigseitige persischsprachige Buch von Khalil Mansouri39. Dort wird Avcis Lebensweg detailliert nachgezeichnet. Ab dem Alter von zwölf Jahren besuchte er die Koranschule einer örtlichen Moschee, ließ sich in sunnitischer Tradition zum Imam ausbilden und übernahm acht Jahre später die Rolle des Vorbeters der großen Moschee in Elazığ. Mit einer kurzen Unterbrechung durch den obligatorischen Militärdienst war Avci sunnitischer Prediger, bis ihn die Wirkmacht der Islamischen Revolution 1979 zur Beschäftigung mit dem schiitischen Islam und den Lehren Khomeinis brachte.40

Kurz nach der Islamischen Revolution im Iran putschte sich der General Kenan Evren in der Türkei an die Macht und übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Evren, seines Zeichens Teil des traditionell kemalistisch-säkularen Militärs, ließ verlautbaren, dass es für den muslimischen Schleier keine Quellen im Koran gäbe, dem Avci laut der Biographie in seiner Rolle als Imam der großen Moschee in Elazığ entschieden widersprach und einen Brief an den türkischen Machthaber verfasste. Avci wurde daraufhin in der Türkei inhaftiert und erst 1987 unter der Auflage, sich weder religiös noch politisch zu betätigen, aus der Haft entlassen.41 Mittlerweile offener Anhänger der Islamischen Revolution verließ Avci ein Jahr später mitsamt seiner Familie die Türkei ins niederländische Exil. Dort suchte er den Anschluss an pro-iranische religiöse Zirkel, weshalb er kurzzeitig von den niederländischen Behörden verhaftet und ihm vorübergehend der türkische Pass entzogen wurde. Über Deutschland flog Avci im Jahr 1990 in den Iran, um sich in einem der geistlichen Zentren des Landes, Ghom, religiös weiterzubilden.42 Er studierte dort laut iranischen Quellen bei bekannten Geistlichen der Islamischen Republik wie den Ayatollahs Mousavi Ardebili und Abdollah Javadi Amoli mit dem Schwerpunkt Philosophie und Koranexegese.43 Die Biographie erwähnt darüber hinaus Ayatollah Mesbah Yazdi als Lehrmeister und stellt heraus, dass Avci zu diesem Zeitpunkt zwar klarer ideeller Anhänger der Islamischen Revolution und ihres politischen Herrschaftsanspruchs war, den Revolutionsexport jedoch nicht organisatorisch betrieb.44

Spätestens hier in Ghom bekannte sich Avci mutmaßlich zum sogenannten Prinzip des „Statthalter des Rechtsgelehrten“ (Velayat-e Faqih), einem politischen Herrschaftsbegriff Khomeinis45, und erarbeitete sich vermutlich auch den schiitisch-geistlichen Rang des Hodschatoleslam (türkisch: Hüccetülislam), der unter dem eines Ayatollahs angesiedelt ist. Mit dem Auftrag die politische Überzeugung in die Praxis zu übersetzen kehrte Avci in die Niederlande zurück und gründete dort die erste pro-iranische Moscheegemeinde des Netzwerks, das Ehlibeyt Zentrum Sakaleyn in Den Haag. Ziel war es, die schiitische Community vor Ort politisch zu mobilisieren und organisatorisch einzubinden, in Europa geborene Kinder schiitischer Migranten in den Lehren der Ehlibeyt sowie der Islamischen Revolution gemäß auszubilden und sunnitische Muslime von den Ansichten Khomeinis und des Schiitentums zu überzeugen. Angeblich hat Avci es geschafft, mehr als 2.000 Muslime zur innerislamischen Konversion zu bewegen.46 Hierzu wurden Koran- und Sprachkurse für Persisch und Arabisch angeboten, Veranstaltungen mit Bezug zur Islamischen Revolution organisiert und regelmäßige Reisen in den Iran durchgeführt, an denen in den vergangenen Jahren mehr als 500 Schüler der Gemeinde teilgenommen haben sollen.47

Ausgehend vom Zentrum in den Niederlanden bauten Avci und seine Anhänger ein europaweites Netzwerk auf und gründeten laut Biographie weitere Ehlibeyt Gemeinden in Deutschland, zuerst in den Städten Bochum und Frankfurt am Main.48 Weitere Gemeinden in Deutschland sollten folgen.

3.3 Das deutsche Ehlibeyt Netzwerk um Avci und die Verbindung in die Niederlande

Dass in der niederländischen Ehlibeyt-Gemeinde das Zentrum des Netzwerks zu verorten ist und Muhammed Avci dort selbst lange Zeit tätig war, erklärt die besondere Verbindung des Frankfurter Quds-Tags in das Nachbarland. Regelmäßig treten Gemeindemitglieder aus Den Haag als Redner auf den Demonstrationen auf, ein Geistlicher der Moschee, Seyyid Musevi49, war mehrere Jahre in Frankfurt vor Ort und vereinzelt sieht man gar niederländische Flaggen auf den Aufmärschen. Als 2021 ein Autokorso veranstaltet wurde, waren mehrere niederländische Kennzeichen erkennbar.

 

Bevor sich Frankfurt 2015 als Aufmarschort etablierte, hat Avci noch an den regelmäßig stattfindenden Quds-Demonstrationen des Netzwerks im niederländischen Den Haag teilgenommen.

Muhammed Avcis Sohn50 , İsmail Avci, hält regelmäßig Predigten, die in den Medienplattformen des Netzwerks aufbereitet werden, spricht auf dem Frankfurter Quds-Tag und scheint zudem nach wie vor ein Geistlicher des Ehlibeyt Zentrums in Den Haag zu sein, obwohl sein Vater bereits Anfang der 2000er Jahre in die Rhein-Main-Region übergesiedelt ist.51 2023 hielt İsmail Avci eine Rede auf dem Frankfurter Quds-Marsch, in der er darüber raunt, dass das Schicksal der Menschheit von einer handvoll Geisteskranker bedroht werde, dass die Zionisten die Menschen mittels der Medien gegeneinander ausspielen würden und somit ihr Recht durchsetzten, die Menschheit weiterhin zu versklaven. Klassisch antisemitische Verschwörungen mit Hang zur Vernichtung.52

 

3.3.1 Das Islamische Zentrum Osterholz

Weiterer zentraler Akteur, sowohl in der Textproduktion und in Online Predigten auf den Medienplattformen des Netzwerks, als auch bei den jährlichen Quds Demonstrationen ist der Imam Ibrahim Çakar. Çakar gehört zu den Gründern des Islamischen Zentrum Ehlibeyt Offenbach e.V.53 , hat jedoch mittlerweile den Vorsitz des Islamischen Zentrum Osterholz (IZ OHZ) bei Bremen inne und übernimmt dort auch die geistliche Leitung. Seit September 2020 ist der zuvor im Rhein-MainGebiet wohnhaft gewesene Çakar aus dem Offenbacher Vereinswesen ausgeschieden. Auf den ideologischen Medienplattformen wird der 48-Jährige hinter Muhammed Avci am zweithäufigsten aufgeführt und bei den meisten großen Versammlungen des Netzwerks sind sowohl er, als auch Seyyid Musevi und İsmail Avci zugegen.

Das IZ OHZ wiederum ist klar an das Netzwerk Avcis angegliedert, was nicht nur an derselben Logowahl der Moscheegemeinden in Offenbach, Osterholz und Den Haag deutlich wird. Ibrahim Çakar ist wie Avci selbst kurdischen Hintergrunds. Zusammen mit seinem mutmaßlichen Verwandten Yunus Çakar leitet er nicht nur den kurdischen Sportverein SV Azadi54, sondern auch den 2004 gegründeten Verein um das IZ OHZ, der sich 2016 aus Islamischer Verein Ahl-ul Bayt Osterholz Scharmbeck e.V. umbenannt hat. Mindestens zwei weitere mutmaßliche Familienmitglieder sind Teil der Vereinsstruktur. Diese Beobachtung deckt sich gut mit dem Charakter der Frankfurter Quds-Demonstrationen, zu denen scheinbar ganze Familien mitsamt ihrer Kleinkinder anreisen.

Der 1992 geborene Yunus Çakar tritt als erster Vorsitzender der IZ OHZ öffentlich auf und wird zeitgleich namentlich auf den einschlägigen Nachrichtenportalen des Ehlibeyt Netzwerks aufgeführt. In der Außendarstellung gibt er sich demokratisch, interreligiös und friedensbewegt, 2023 hat er gar ein Praktikum am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen absolviert.55 Er ist Kontaktmann zur lokalen evangelischen Jugend, mit der er einen Austausch initiieren möchte56 und auch seine Rede auf dem Frankfurter Quds Tag 202257, in der er sich als Politikwissenschaftler bezeichnet, ist gespickt von antiimperialistischem und friedenspolitischem Vokabular: Çakar bemängelt eine fehlende Debattenkultur über Israel und meint die Lehre aus der deutschen Vergangenheit sei es, dem jüdischen Staat keine Waffen zu liefern, der ja ohnehin keine Demokratie sei, als viel mehr ein Projekt von Apartheid und Kolonalisierung. „Apartheid ist die rassistischste Form von Faschismus. Und Rassismus und Faschismus gilt es zu bekämpfen“58, lässt der Politikwissenschaftler in seiner vermeintlich messerscharfen Analyse wissen. Yunus Çakar bemängelt an Israel eine scheinbar fehlende Presse- und Religionsfreiheit und die unzureichende Durchsetzung von Frauenrechten; das alles während er vor den Konterfei von Khomeini, Khamenei, Avci und Abdul-Malik al-Huthi posiert, dem jemenitischen Rebellenführer einer Bürgerkriegspartei nach dem Vorbild der libanesischen Hisbollah, der auch als „Huthi-Rebellen“ bekannten Ansar Allah.59

 

Nach der Tötung des iranischen Kommandanten der Quds Brigaden, Qasem Soleimani, trat Yunus Çakar in den Niederlanden als Redner auf einer Protestkundgebung auf. Am ersten Jahrestag der Tötung ließ er sich von einem Fernsehteam vor dem Brandenburger Tor interviewen und protestierte vor der US-Botschaft in Berlin in Gedenken an Soleimani sowie an den Brigadegeneral der Revolutionsgarden und den Kopf des iranischen Atomwaffenprogramms, Mohsen Fakhrizadeh. 60

3.2.2. Der Augsburger Verein Ehl ul-beyt Kultur

Ein weiterer zentraler Verein aus dem Ehlibeyt Netzwerk ist der Augsburger Moscheeverein Ehl ul-beyt Kultur e.V. und der dazugehörige Imam Halil Karamercan. Karamercan ist langjähriger Weggefährte Avcis und wie die anderen geistlichen Oberhäupter auf vielen Veranstaltungen des Netzwerks zugegen. Der Augsburger Ableger besitzt einen eigenen Videokanal mit Predigten und Veranstaltungen.61

 

Sowohl in Augsburg als auch bei Osterholz-Scharmbeck fanden 2021 wie auch in Frankfurt eigene Autokorsos anlässlich des Quds-Tages statt.62 Ein weiterer Akteur des Netzwerks ist der Geistliche Abdürrahim Almaz, der – wenn auch weniger häufig als Avci, Çakar oder Karamercan – in den Online Predigten des Netzwerks auftaucht und der auf dem Frankfurter Quds-Tag 2023 die Aufgabe der Koran Rezitation übernommen hat.

 

3.4 Zwischenfazit

Die Struktur hinter dem Frankfurter Quds-Tag ist in diesem Netzwerk der türkischsprachigen Ehlibeyt Gemeinden innerhalb der Islamischen Gemeinschaft der Schiiten in Deutschland (IGS) zu finden. Der gemeinsame Bezug der aufgeführten Akteure liegt dabei in ihrer Verbindung zum geistigen Gründer des Netzwerks Muhammed Avci, in der Organisierung innerhalb der iranisch beeinflussten IGS, sowie in der Befürwortung der Ideologie des iranischen Regimes. Die zentrale Organisationsstruktur beläuft sich auf das Personenpotential der Ehlibeyt Gemeinden im Viereck Den Haag – Offenbach – Osterholz – Augsburg. Auch wenn in diesen Städten fast ausschließlich alle Veranstaltungen des Netzwerks stattfinden, dürfte der Einflussradius auch deutlich über diese Städte und Gemeinden hinaus reichen. Das Ziel der Verbände ist es, die Positionen des iranischen Regimes in Deutschland mit an hiesige Verhältnisse angepasstem Vokabular in die Öffentlichkeit zu tragen und türkischsprachige Jugendliche aus zweiter und dritter Genration an das Ehlibeyt Netzwerk innerhalb der IGS und die Ideologie der Islamischen Republik zu binden. Bevor ein Ausblick auf das Netzwerk nach dem Tod seines Gründers gegeben wird, soll ein Einblick in die ideologischen und personellen Verbindungen zu zwei weiteren regionalen Mitgliedsorganisationen innerhalb der IGS gegeben werden. Zum einen das maßgeblich iranische Zentrum der Islamischen Kultur e.V. und zum anderen die von türkisch- und pakistanischstämmigen Schiiten besuchte Hazrat Fatima Moschee e.V.

 

4. Bezug zu regionalen IGS Organisation

Auch wenn das Ehlibeyt Netzwerk um Avci innerhalb der IGS einen für sich funktionierenden Kosmos mit eigenen Nachrichten, Predigten und knapp zwei Dutzend Versammlungen pro Jahr in der eigenen Community darstellt, gab es in der Vergangenheit immer wieder Verflechtungen zu weiteren IGS Mitgliedsorganisationen im Rhein-Main-Gebiet. Auf den Quds-Aufmärschen in Frankfurt sind die Vertreter der beiden oben genannten Moscheegemeinden zwar nicht in Erscheinung getreten, jedoch spricht Khalil Mansouri in der von der Al Mustafa Universität veröffentlichten Biographie über Muhammed Avci ganz offen darüber, dass an den Aufmärschen auch Iraner teilgenommen haben.63 Daher liegt die Vermutung nah, dass zumindest Mitglieder der beiden Gemeinden, die keine öffentlichen Ämter innerhalb der Organisation bekleiden, an den Demonstrationen teilgenommen haben.

 

4.1 Die Hazrat Fatima Moschee in Frankfurt

Die Hazrat Fatima Moschee e.V. entspricht eigentlich exakt demjenigen religiösen Spektrum, das bereits oben unter dem Begriff des Ehlibeyt-Islam subsumiert wurde, während die Gemeinde zusätzlich im vom Iran beeinflussten Netzwerk der IGS organisiert ist. Der Verein wurde jedoch bereits im Jahr 1991 in Frankfurt gegründet und ist damit älter als das Ehlibeyt-Netzwerk um Muhammed Avci, zumindest im Rhein-Main Gebiet. Die Gründungsmitglieder sind ohne Ausnahme in der türkischen Stadt Iğdır geboren, was darauf deutet, dass es sich um die aserbaidschanisch stämmige schiitische Minderheit in der Türkei handelt, die, wie oben dargelegt, besonders in dieser Region vertreten ist. Dazu passt die Beobachtung, dass auf der Aschura64 Konferenz der sogenannten Avrupa Ehlibeyt Gençliği (deutsch: Europäische Ehlibeyt Jugend) in Leverkusen 2019, an der neben der Hazrat Fatima Moschee gut ein halbes Dutzend Gemeinden mit Bezug zur Ehlibeyt teilnahmen, die aserbaidschanische Flagge präsent war. Hierin deutet sich an, dass es sich bei der Hazrat Fatima Gemeinde trotz übereinstimmender ideologischer Bezugnahme auf türkischsprachiges Schiitentum sowie den Herrschaftsanspruchs Khameneis und der Islamischen Revolution um ein weiteres, näher auf Aserbaidschan bezogenes, Ehlibeyt-Netzwerk innerhalb der IGS handelt.

Nicht nur sind auf den Quds-Demonstrationen in Frankfurt keine aserbaidschanische Fahnen, dafür jedoch vereinzelt kurdische, zu sehen. Von Seiten der Hazrat Fatima Gemeinde gab es in der Vergangenheit auch keine offene gemeinsame Mobilisierung mit dem Netzwerk um Muhammed Avci und in den Veranstaltungsberichten der Avci-Gruppierungen taucht die Hazrat Fatima Moschee nicht auf. Demgegenüber war keine der vier maßgeblichen Gemeinden des Avci-Netzwerks auf besagter Aschura Konferenz der Europäischen Ehlibeyt Jugend zugegen. Ob das Netzwerk um Avci im Gegensatz zur Hazrat Fatima Gemeinde ein mehrheitlich kurdisches ist, müsste überprüft werden. Vermutlich ist die Abwesenheit zentraler Figuren der Hazrat Fatima Gemeinde von den QudsAufmärschen jedoch auch schlicht strategischer Natur, da die Moschee in der Vergangenheit bereits Probleme mit negativer Aufmerksamkeit hatte. Der ehemalige Imam der Gemeinde, Sabahattin Türkyilmaz, hat 2006 im Zuge des israelischen Einmarschs in den Südlibanon an einer antisemitischen Demonstration in Berlin teilgenommen und wurde dabei vom Medienmagazin defacto erkannt, die anschließend darüber berichteten.65 Anfangs stellte sich der Gemeindevorstand noch vor den im türkischen Iğdır geborenen Türkyilmaz, der acht Jahre im iranischen Ghom zum schiitischen Geistlichen ausgebildet worden war.66 Als schließlich eine Predigt von 2009 publik wurde, in der sich Türkyilmaz auf Khomeini bezog und dafür betete, dass Allah das besetzte Palästina aus den Händen der Zionisten befreien möge, hat sich der Vorstand der Hazrat Fatima Gemeinde im Folgejahr genötigt gesehen, sich offiziell von ihrem Imam zu trennen. Der Generalsekretär der Moschee und ehemaliges Vorstandsmitglied der IGS Ünal Kaymakçi67 beteuert, nichts von der Predigt gewusst zu haben.68

Während Türkyilmaz in seiner Rücktrittserklärung beteuert, dass der Vorwurf, er handle antisemitisch nur weil er an Quds-Tag Demonstrationen teilgenommen habe „eine Falle der Zionisten“69 sei, tritt der Geistliche auch nach der offiziellen Lossagung im Jahr 2010 auf Veranstaltungen der Hazrat Fatima Gemeinde als Redner auf. Die Abgrenzung des Verbands deutet somit sichtlich auf ein strategisches Manöver.

Auch wenn sich die Vertreter der Hazrat Fatima Moschee offenbar nicht an den Quds-Tagen des Avci-Netzwerks beteiligten, trat demgegenüber Muhammed Avci vor seinem Ableben allerdings auf mindestens einer Veranstaltung des Moscheevereins als Redner auf.

 

4.2 Das Zentrum der Islamischen Kultur Frankfurt

Neben Avci war auf derselben Veranstaltung der Hazrat Fatima Moschee im Jahr 2017 der oben als Gelehrter des iranischen Establishments70 betitelte Mahmood Khalilzadeh als Redner geladen, der als Vorstandsmitglied das iranisch beeinflusste Zentrum der Islamischen Kultur e.V. (ZIK) aus Frankfurt Rödelheim vertrat.

 

Das ZIK weist deutlichen Bezug zum Iran auf und Khalilzadeh, der wie Avci den religiösen Titel des Hodschatoleslam trägt, ist nicht nur zentraler Akteur im Rhein-Main Gebiet, sondern war lange Zeit Bundesvorsitzender des iranisch dominierten Dachverbands IGS. Folgerichtig finden in der Moschee regelmäßig Trauerfeiern am Todestag Khomeinis, Feiern zum Jahrestag der Islamischen Revolution oder auch eine Gedenkveranstaltung für den iranischen Schattengeneral Qassem Soleimani statt, bei der Khalilzadeh als Redner auftrat.71 Wie auch zur Hazrat Fatima Gemeinde gibt es vereinzelte Berührungspunkte zwischen den Verbandsbrüdern Mahmood Khalilzadeh und Muhammed Avci. Beispielsweise tauchen beide auf Bildern einer Veranstaltung auf, die 2012 im schiitischen Imam Mahdi Kulturzentrum in Langen bei Frankfurt stattgefunden hat.

 

 

Khalilzadeh ist ein Jahr später auch auf Fotos in den Netzwerken der Ehlibeyt Gemeinden um Avci erkennbar und als im Jahr 2019 das vierzigjährige Bestehen der Islamischen Republik in der Offenbacher Ehlibeyt Moschee gefeiert wurde, ist Khalilzadeh mit seinem Stellvertreter Mohammad Hassan Mokhber vor Ort und trat erneut als Redner auf.

 

Das von Khalilzadeh geleitete ZIK veröffentlicht zudem regelmäßig Statements anlässlich des Quds-Tags, die jedoch auf den ersten Blick unverfänglich wirken. 2020 wurde beispielsweise die Spiritualität und der Zusammenhalt der abrahamitischen Religionen und der Kampf gegen Ungerechtigkeit beschworen: „Dieser Tag symbolisiert den Zusammenhalt der Menschen gegenüber der Finsternis, der Ungleichheit und ist Symbol der Barmherzigkeit der Menschen und dem gemeinsamen Streben für eine bessere Welt.“ heißt es dort. Im Folgejahr wurden ähnlich nebulöse Begriffe wie „Unterdrückung und Bosheit“ bemüht.72 Was genau diese Finsternis ist und wer sie für das ZIK verkörpert lässt sich vor dem Hintergrund des Vernichtungsantisemitismus der Islamischen Republik Iran natürlich nur erahnen.

Das Narrativ des Quds-Tags als Tag des Kampfes gegen die Unterdrückung findet sich zumindest so auch im oben angeführten Zitat von Khomeini. Da die Teilnahme vom Führungspersonal des Hamburger IZH an den Quds-Aufmärschen in Berlin in der Vergangenheit für negative Presse gesorgt hat73 dürften sich die Akteure des ZIK wie die der Hazrat Fatima Gemeinde vor allem aus strategischen und nicht aus ideologischen Gründen gegen die Demonstrationsteilnahme in Frankfurt entschieden haben. Sowohl die Hazrat Fatima Gemeinde als auch Mahmood Khalilzadeh in seiner Rolle als Bundesvorsitzender der IGS formulierten im Jahr 2019 Kondolenzschreiben für den Offenbacher Imam Muhammed Avci und selbst der Vertreter Khameneis in Deutschland und Vorsitzende der Hamburger Mutterorganisation IZH, Mohammed Hadi Mofatteh74 , lässt verlautbaren: „Der Tod dieses großen Gelehrten ist für mich umso bitterer, da ich viel von diesem großen Mann gehört hatte der mir zu meinem Amtsbeginn als Leiter des IZHs in einem gemeinsamen Telefonat gratulierte und wir bereits einen Termin für ein Treffen ausgemacht hatten. Dazu kommt es durch die göttliche Fügung leider nun nicht mehr.“75

Muhammed Avci hat es geschafft ein in sich funktionierendes Netzwerk innerhalb der IGS zu etablieren, das in der eigenen Community Strukturen aufgebaut hat und ideologisch wie personell gut an zentrale Akteure des iranischen Regimes sowie der iranisch beeinflussten IGS angebunden ist. Er ist eine zentrale Person für die politische Mobilisierung des vor allem turksprachigen Schiitentums in Westeuropa. Dennoch scheint dieses Netzwerk maßgeblich auf die Person des Offenbacher Imams zentriert gewesen zu sein. Mit einem Blick auf den Tod des Netzwerkgründers soll der Text im folgenden Kapitel in ein Fazit münden.

 

5. Der Tod Muhammed Avcis und die Zukunft des Netzwerks

Während einer Wallfahrt zu verschiedenen heiligen Städten im Irak und im Iran im Jahr 2019 erlag der einundsiebzigjährige Muhammed Avci einem Herzinfarkt in der iranischen Pilgermetropole Maschhad. Sein Körper wurde in die Stadt seiner geistlichen Ausbildung, Ghom, überführt und dort mit dem Segen des Revolutionsführers Khamenei im Schrein der schiitischen Heiligen Fatima Masuma beigelegt.76 An der Prozession durch die heilige Stadt nahmen unter anderem die Imame des Avci Netzwerks, Halil Karamercan (Augsburg), Seyyid Musevi (Den Haag) und Ibrahim Çakar (Osterholz) sowie weitere Personen, die in der Vergangenheit auf den Quds Märschen in Frankfurt präsent waren, teil. Das Gebet wurde vom hochrangigen Gelehrten und Lehrer Avcis, Abdollah Javadi Amoli, gehalten.77

 

An der dazugehörigen Trauerfeier waren neben Ayatollah Amoli auch der ehemalige Leiter des IZH, Reza Ramezani und weitere hochrangige Geistliche des iranischen Regimes vor Ort. Etwa die Ayatollahs Morteza Moghtadai, Alireza Arafi und Alavi Boroujerdi. Organisiert wurde die Trauerzeremonie vom Verwaltungszentrum der Islamischen Seminare in Ghom, der Internationalen Al-Mustafa Gemeinschaft, der Weltversammlung der Ahlul Bayt, dem Weltverband für die Annäherung der islamischen Denkschulen und dem Forschungszentrum für Islamwissenschaft Noor. 78

Die hochrangigen Vertreter der Islamischen Republik während der Trauerprozession und der Begräbniszeremonie verdeutlichen Avcis Status als wichtigen Akteur im Auftrag der Islamischen Revolution und als zentralen Koordinator der Aktivitäten von vor allem türkischsprachigen Schiiten in Westeuropa. In einem Nachruf79 von Ali Ekber Velayati80, dem außenpolitischen Berater des iranischen Revolutionsführers, würdigt dieser nicht nur Avcis Bemühungen zur Gründung islamischer Zentren in Frankfurt, Augsburg und Den Haag, sondern auch dessen Mitgliedschaften im hohen Rat der World Assembly of Islamic Awakening und des Universal Congress of the lovers of Ahlul-Bayt. Beide Organisation sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Teil des iranischen Netzwerks und des verfassungsrechtlich verbrieften Revolutionsexports. Der Export der Revolution und die Erweiterung der ideologischen Einflusszone der Islamischen Republik stellten das Lebensprojekt des Offenbacher Imams Muhammed Avci dar, was er mit gewissem Erfolg verwirklichen konnte. Nicht nur hat Avci mehrere Zentren in Deutschland und den Niederlanden gegründet, in denen Jugendgruppen der Ideologie Khomeinis gemäß erzogen werden. Er hat zudem einen regen Austausch zur Führungsriege des Iran und zu iranisch beeinflussten Organisationen in Deutschland hergestellt und Verbindungen geschaffen, die seinen Tod überdauert haben.

Der Quds-Tag in Frankfurt am Main und die religiösen Feierlichkeiten des Avci Netzwerks zeigen deutlich, dass die zentralen Akteure der Ehlibeyt Gemeinden nicht auf das Organisationstalent Avcis angewiesen sind, sondern das pro-iranische Netzwerk in den vergangenen Jahren auch über dessen Tod hinaus arbeitsfähig geblieben ist und weiterhin mehrere hundert Menschen für Veranstaltungen wie den jährlichen antisemitischen Aufmarsch zum Quds-Tag mobilisieren kann.

 

 

MFFB im September 2023

Bei Fragen erreichen Sie Emil Mink unter info@mideastfreedomforum.org! 

Die PDF-Version finden Sie hier. Die MFFB-Pressemitteilung ist hier abrufbar. Die Auswertung des Quds-Tags in Frankfurt 2024 von Emil Mink finden Sie hier.

 

 

Fußnoten

So erwähnt in der Zeitschrift Al-Fadschr, der Zeitschrift des Islamischen Zentrum Hamburg (IZH). In der Ausgabe acht von 1984 wird berichtet, dass in diesem über 3000 Menschen an einer Quds Demonstration in Köln teilgenommen haben sollen. Zwei Jahre später wird von einer ähnlichen Demonstration in Hamburg berichtet.

2 Marz, Ulrike 2017: Moderner Antimodernismus. Der antisemitische Hass auf den Westen in der Ideologie der Islamischen Republik. In: Grigat, Stephan (Hrsg.): Iran - Israel - Deutschland. Antisemitismus, Außenhandel und Atomprogramm. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag. S. 114-134.

3 Zitiert nach Wahdat-Hagh, Wahied: Chisb-Alah - die Partei Alahs ruft zur Vernichtung: Zur Geschichte des AlQuds-Tages: https://www.hagalil.com/archiv/2005/10/al-quds-tag.html

4In einer Antwort der Bundesregierung ist der verfassungsrechtlich verbriefte Revolutionsexport notiert. Drucksache 18/13362, S. 3. https://dserver.bundestag.de/btd/18/133/1813362.pdf

5­­­­­ Mehr Hintergrund bei der Tagesschau „40 Jahre Hisbollah – Die Speerspitze des Iran“ https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-hisbollah-libanon-101.html 

6 Genauer nachlesen lässt sich das weltweite Ausmaß der Aufmärsche bei Wolter, Udo 2004: Beispiel Al-Quds-Tag – Islamistische Netzwerke und Ideologien unter Migrantinnen und Migranten in Deutschland und Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Intervention.

7 https://keinalqudstag.noblogs.org/; Bereits im Jahr 2003 hat sich plurales zivilgesellschaftliches Bündnis mit exiliranischen, kurdischen und jüdischen Organisationen gegen die jährlichen Aufmärsche in Berlin konstituiert. Nachzulesen im angegebenen Text von Udo Wolter S. 38-41. 

8 Im Jahr 2018 haben Reporter von Vice News erhellende Interviews mit verschiedenen Teilnehmern des Berliner Quds-Tags geführt: https://www.vice.com/de/article/xwm7aj/wir-haben-demonstranten-beim-al-quds-tag-gefragtwarum-sie-israel-hassen

9 TAZ Protest gegen Israelfeinde: https://taz.de/Al-Quds-Tag-in-Berlin/!5599721/

10 Vgl. Hessischer Verfassungsschutzbericht 2021, S. 234.

11https://www.jungle.world/artikel/2023/16/auf-frankfurts-strassen-gegen-israel

12https://www.youtube.com/watch?v=IyvxnN8TedY ab 1:20:11

13 Mehr zu Zakzakys Netzwerk im Artikel des National Council of Resistance of Iran: https://www.ncr-iran.org/en/publications/special-reports/report-irans-terrorist-network-in-africa-and-itsimplications/

14Mehr zu Qassim und seinen Beziehungen zum Iran beim Council on Foreign Relations https://web.archive.org/web/20130205071705/http://blogs.cfr.org/husain/2012/04/27/irans-man-in-bahrain/

15Die Quds-Briagaden sind eine Sondereinheit der Iranischen Revolutionsgarden, deren erklärtes Ziel der iranische Revolutionsexport ist. Eine sehenswerte interaktive Karte über Entführungen, politische Morde und Sprengstoffanschläge der Organisation findet sich im Webarchiv: https://web.archive.org/web/20230320130444/https://institute.global/policy/irgc-global-tracker

16Die antifaschistische Gruppe „Kritik und Intervention“ aus Osnabrück hat sich in einem längeren Artikel mit dem iranischen Schattengeneral, dem amerikanischen Militärschlag und den europäischen Reaktionen auseinandergesetzt: https://initiativekritikundintervention.wordpress.com/2020/01/08/zur-antifaschistischen-us-intervention-gegenqasem-soleimani/

17Nachzulesen in der Auswertung „Qudstag-Marsch 2019“ von RIAS Berlin: https://report-antisemitism.de/monitoring/

18Die Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums zum Verbot der gesamten Hisbollah findet sicher hier: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2020/04/betaetigungsverbot-hizb-allah.html

19 Ein Kurzprofil über Nasrallah findet sich beim CFR: https://www.cfr.org/backgrounder/profile-hassan-nasrallah

20Ein Artikel der Frankfurter Islamismus Expertin Sigrid Hermann-Marshall beschäftigt sich mit der in Frankfurt gezeigten Hisbollah Symbolik: https://vunv1863.wordpress.com/2018/11/18/hizbollah-fans-am-bieberer-berg/

21https://verfassungsschutz.hessen.de/publikationen/aktuelles-und-analysen/al-quds-demonstration

22Die im Artikel von Hermann-Marshall verlinkte Rede Nasrallahs ist beispielsweise nicht mehr abrufbar: https://vunv1863.wordpress.com/2018/11/18/hizbollah-fans-am-bieberer-berg/

23https://verfassungsschutz.hessen.de/publikationen/aktuelles-und-analysen/al-quds-demonstration

24Vgl. Zeitschrift für Religionswissenschaften 27 (1), S. 125-145. 25 Vgl. Weineck 2019, S. 127.

26https://de.wikibrief.org/wiki/Azerbaijanis_in_Turkey

27Die konfessionelle Spaltung auszuführen würde diesen Artikel deutlich überfordern, ein kurzer Hintergrundartikel findet sich auf Wissen.de https://www.wissen.de/bildwb/sunniten-und-schiiten-die-zwei-hauptrichtungen-des-islam

28Das Alevitentum trennt vom koranischen Schiitentum dennoch einiges und ein gewisser Teil der alevitischen Gemeinschaft sieht sich nicht der islamischen Ummah zugehörig, sondern als eigenständige Religion. Einen Hintergrund zum Alevitentum und der Frage nach Zugehörigkeit zum Islam findet sich bei der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/themen/europa/tuerkei/184986/die-aleviten/#node-content-title-1

29Vgl. Weineck 2019, S. 133f.

30Es sollte jedoch beachtet werden, dass nicht jede Organisation oder Moschee, die Ehlibeyt im Namen trägt, automatisch zum pro-iranischen Netzwerk gehören muss. Der Begriff verweist zwar auf eine theologische Anschlussmöglichkeit an das Schiitentum, für eine Einordnung eines einzelnen Moscheeverbandes ist jedoch tiefer gehende Recherche von Nöten.

31Vgl. Weineck 2019, S. 132. Die persischsprachige islamistische Website ahl-ul-bayt.ir (fortan abgekürzt als ALB) berichten demgegenüber von einer deutlich höheren Zahl schiitischer Gemeinden in Deutschland von 240. Islamistische Websites müssen mit Vorsicht behandelt werden, da nicht klar ist, wie viel Informationen den Seitenverwaltern übermittelt werden. Daher sind diese Quellen im Artikel benannt, aber nicht verlinkt. Screenshots und Übersetzungen liegen jedoch vor.

32Das Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg hat dem iranischen Vorposten IZH eine eigene Broschüre gewidmet: https://www.hamburg.de/contentblob/15263774/e9cee39187a321fab70c4f5f24bfee85/data/izh-neueerkentnisse.pdf; Das IZH klagte kürzlich gegen einzelne Aussagen des Verfassungsschutzes sowie gegen die Einordnung als islamistisch und verlor vor Gericht zumindest im Punkt der Gesamteinordnung: https://www.zeit.de/news/2023-06/30/urteil-verfassungsschutz-darf-izh-islamistisch-nennen?utm_referrer=https %3A%2F%2Fduckduckgo.com%2F

33Zitiert aus folgendem Welt Artikel „Warum die Feinde uns so sehr unterdrücken, ist offensichtlich“: https://www.welt.de/politik/deutschland/article243024291/IZH-und-IGS-Einzige-Institution-der-Schiiten-befindetsich-in-der-Krise.html

34Weitere Hintergrundinformationen zur iranischen Einflussnahme auf die IGS finden sich neben der bereits auf Seite 2 erwähnten Anfrage an die Bundesregierung beim Mideast Freedom Forum Berlin: https://www.mideastfreedomforum.org/fileadmin/editors_de/Texte/IGS-Policy-Paper_2019_03.pdf

35Antwort der Bundesregierung, Drucksache 19/545, S. 5. https://dserver.bundestag.de/btd/19/005/1900545.pdf

36Die Kurzbiographie findet sich auf der Website eslam.de, betrieben von den Gebrüdern Gürhan und Yavuz Özoguz, die türkisch-sunnitischen Hintergrund haben und zum Schiitentum konvertiert sind. Yavuz Özoguz war 2023 auf dem Frankfurter Quds-Tag zugegen. Auch wenn propagandistische Quellen mit Vorsicht zu genießen sind, kann hier davon ausgegangen werden, dass die wesentlichen biographischen Abschnitte aus dem Leben Avcis den Tatsachen entsprechen.

37ALB.

38Die Al-Mustafa Universität wurde wegen Ausbildung schiitischer Milizen von den US-Behörden auf die Sanktionsliste gesetzt: https://www.rferl.org/a/iran-u-s-sanctions-religious-seminaries-network-al-mustafa/31014153.html

39Ayatollah Khalil Mansouri Ramsari ist Gelehrter in Ghom sowie Teil der Al-Mustafa International Community und steht damit vielleicht auch in Kontakt zur Berliner Zweigstelle der Universität. Eine Biographie des Ayatollahs findet sich auf der persischen Website samamos.com.

40Vgl. Mansouri 2018, S. 16.

41Vgl. Mansouri 2018, S. 19.

42Vgl. Mansouri 2018, S. 20.

43ALB.

44 Vgl. Mansouri 2018, S. 22.

45Für eine Erläuterung des Begriffs sei auf den äußerst lesenswerten Text „Der politische Islam der Zwölferschia“ der Dokumentationsstelle Politischer Islam aus Österreich verwiesen. Das Prinzip des „Statthalter des Rechtsgelehrten“ wird hier dezidiert ausgeführt: https://www.dokumentationsstelle.at/wp-content/uploads/2022/11/DPI_GB_Zwoelferschia.pdf

46 ALB.

47Vgl. Mansouri 2018, S. 26, S. 39f, S. 47.

48 Vgl. Mansouri 2018, S. 10.

49 Manchmal auch als Seyyid Musavi bezeichnet, was der Übersetzung aus dem Persischen geschuldet sein dürfte.

50 In einem türkischsprachigen Kondolenzschreiben auf der Website Welayetnews.com vom 03.01.2019 wird İsmail Avci als Sohn des verstorbenen Netzwerkgründers angesprochen.

51 Vgl. Mansouri 2018, S. 22.

52 Die türkischsprachige Rede ist nicht veröffentlicht, liegt aber im Video vor.

53 Zu sehen im Artikel von Sigrid Hermann Marshall: https://vunv1863.wordpress.com/2018/11/18/hizbollah-fans-am-bieberer-berg/

54 https://www.weser-kurier.de/sport/ein-historischer-kaltstart-doc7e45ar5cerpy4ma5d03

55 https://www-alt.iniis.uni-bremen.de/personen/yunus-cakar/

56 Vgl. Lokales Blatt der evangelischen Zeitung „An-Kreuzen“, S. 13: https://www.kirche-pennigbuettel.de/damfiles/default/kg_emmaus_pennigbuettel/PDF/Ankreuzen/Nr.-03-2020/ ankreuzen_3_2020_WEB.pdf-063fcef49a6c54bfd005788df7e4f57e.pdf

57 https://www.youtube.com/watch?v=ioh3R4hlCLE

58 https://www.youtube.com/watch?v=ioh3R4hlCLE Minute 13:15

59 Das Logo der Ansar Allah ziert der arabische Spruch: „Gott ist der Größte, Tod für Amerika, Tod für Israel, Verflucht seien die Juden, Sieg für den Islam!“ Weitere Informationen zur jemenitischen Gruppierung finden sich im Al-Monitor: https://web.archive.org/web/20150213230210/http://www.al-monitor.com/pulse/originals/ 2015/02/iran-yemen-houthis-axis-of-resistance.html#

60 Ein Portrait über den Kopf des iranischen Atomwaffenprogramms findet sich im Guardian: https://www.theguardian.com/world/2020/nov/27/mohsen-fakhrizadeh-thought-to-be-key-figure-in-irans-nuclearefforts

61 https://www.youtube.com/@kuran-veehlibeyt-augsburg2000

62 Ein Bericht über den Augsburger Konvoi findet sich in der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/bayern/islamisten-augsburg-hasspropaganda-1.5486073?reduced=true 

63 Vgl. Mansouri 2018, S. 63.

64 Aschura ist eine für Schiiten bedeutsame Gedenkzeremonie, bei der an den Tod von Alis Sohn Husain in der Schlacht um Kerbala erinnert wird.

65 Die beiden defacto Beiträge sind in folgendem vermutlich dem politisch rechten Spektrum zuzuordnenden Account anzusehen: https://www.youtube.com/watch?v=7Oe0DGUojfo

66 Eine Übersicht über Türkyilmaz Werdegang findet sich in diesem FR-Artikel: https://www.fr.de/rhein-main/imamunter-verdacht-11677685.html.Türkyilmaz ist eine gewisse Größe in der schiitischen Landschaft in Deutschland: nicht nur war er geistliches Gründungsmitglied der Imam Riza Moschee in Berlin, die dem iranischen Regime und der Hisbollah nahe steht (https://www.tagesspiegel.de/berlin/neukollner-moschee-trauert-um-getoteten-generalsoleimani-5048443.html), sondern er ist auch Übersetzer für den schiitisch-islamistischen Verlag Eslamica.

67 Der fünfzigjährige Rechtsanwalt wurde im April 2023 zusammen mit einem iranischen Staatsbürger in Untersuchungshaft genommen, da ihm vorgeworfen wird, der Kopf eines Schleuser Netzwerks zu sein. https://www.spiegel.de/panorama/aufenthaltserlaubnisse-fuer-deutschland-edelschleusung-nach-pirmasens-ac44ccf09-120c-4fa4-859d-78d8039f2043

68 https://www.israelnetz.com/frankfurter-imam-betete-fuer-befreiung-palaestinas-aus-zionistenhand/https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/hazrat-fatima-moscheegemeinde-frankfurter-moscheeverein-unterstarkem-druck-1940770.html

69 Die Erklärung von 2010, veröffentlicht auf dem Wordpress-Blog des Imams, Zitat auf Seite 3: https://freitagskanzel.files.wordpress.com/2010/02/offentliche-erklarung.pdf 

70Antwort der Bundesregierung, Drucksache 19/545, S. 5. https://dserver.bundestag.de/btd/19/005/1900545.pdf

71Hessischer Verfassungsschutzbericht 2021, S. 235. Auch so beschrieben in einem Artikel der Wochenzeitung Jungle World „Die Mullahs in Rödelheim“ https://jungle.world/artikel/2023/12/die-mullahs-roedelheim Jüngst wurden in einer kleinen Anfrage an die hessische Landesregierung die Verbindungen des ZIK zum IZH bestätigt. Drucksache 20/11305 https://starweb.hessen.de/cache/DRS/20/5/11305.pdf

72 Die gesamten Statements findet sich auf der Seite des ZIK im Archiv, Mai 2020 & Mai 2021.

73http://iraniansforum.com/eu/fuhrungsmitglied-des-islamischen-zentrum-hamburg-beim-al-quds-marsch-in-berlin2016/

74 Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnet Mofatteh als von Khamenei entsandten Beauftragten zur Umsetzung des iranischen Revolutionsexports in Deutschland: https://www.verfassungsschutz.de/DE/verfassungsschutz/der-bericht/vsb-islamismus-und-islamistischerterrorismus/2021-vsb-islamismus-und-islamistischer-terrorismus_artikel.html

75 Das Zitat Mofattehs findet sich in der Kurzbiographie über Avci auf der islamistischen Website eslam.de

76 So berichteten die persischsprachige Websites jzac.ir & iqna.ir sowie die bereits angeführte Website ALB.

77 Die Erwähnung Ayatollah Amolis als Gebetsleiter findet sich auf der iranischen Website Samamos.com.

78 So in einem Bericht über die Zeremonie auf der iranischen Website Iqna.ir

79 Der Nachruf findet sich auf der Website des Avci Netzwerks Welayetnews.com vom 10.01.2019.

80 Die Regierung Argentiniens hat wegen des 1994 von der Hisbollah verübten und vom Iran initiierten Bombenanschlags auf das jüdische Kulturzentrum Amia in Buenos Aires Haftbefehl gegen acht Drahtzieher des Attentats erlassen. Darunter auch Ali Ekber Velayati. https://www.welt.de/print-welt/article90143/Haftbefehl-gegen-Rafsandschani-erlassen.html